At the moment, the following working definitions are only available in German. A translation will follow as soon as possible. The definitions were elaborated by the Munich based teachers' working group.

 

Transkulturalität (Katharina Knaus)

Nach Kluckhohn wird eine Kultur aus bestimmten Denkmustern gebildet, die durch festgelegte Symbole übertragen werden.(1) Dieser traditionelle Kulturbegriff, welcher einem bestimmten Kulturkreis eine homogene Identität zuweist, wird heute allerdings stark in Frage gestellt. Statt von Kultur ist nun von Inter- oder Transkulturalität die Rede. Interkulturalität geht zwar von unterschiedlichen Kulturkreisen aus, betont jedoch eine partielle Überschneidung der Kulturen. Transkulturalität dagegen verwirft das Konzept verschiedener Kulturen von Grund auf und hebt die Durchmischung und Durchdringung der Kulturen hervor.(2) Das Konzept der Interkulturalität findet sich im Kontext der Identitätskonstruktion, denn für eine Identitätsfindung ist zunächst eine Abgrenzung von „fremd“ und „eigen“ erforderlich.(3) Dies schließt allerdings die grundlegende Annahme von Verfechtern der Transkulturalität, dass „kulturelle Differenzen nicht nur zwischen Gesellschaften, sondern gleichermaßen und zunehmend innerhalb Gesellschaften bestehen“ (4), nicht aus.

Auch in den Postcolonial Studies wird betont, dass Identität nicht homogen ist. Die Konstruktion von Identität wird zudem nicht mehr als etwas Abgeschlossenes gesehen, sondern als „lebenslange Baustelle“ (5)

Dass in der zeitgenössischen Literatur meist von Identitäten gesprochen wird, impliziert sogar, dass Identität in sich durchaus inkonsistent sein kann. Theoretiker des Postkolonialismus wie Stuart Hall beschreiben Identität als „aus mehreren, sich manchmal widersprechenden oder ungelösten Identitäten zusammengesetzt“.

1) Vgl. http://lehrerfortbildung-bw.de/bs/bsa/bgym/lehrgang/definition/

Nach Herder ist Kultur gekennzeichnet durch drei Grundannahmen:

  • Soziale Homogenisierung: Kultur prägt ohne weitere Differenzierung das Leben eines ganzen, in sich homogenen Volkes.
  • Ethnische Fundierung: Kulturen sind an Völker gebunden, sind “die Blüte” des Daseins eines Volkes.
  • Interkulturelle Abgrenzung: Auf der Basis von Kultur grenzen sich Völker voneinander ab.

2) Vgl. Lutz-Sterzenbach/Schnurr/Wagner 2013, S.142 f.

3) Vgl. Porsché 2008, S.15

4) Zitiert nach: Datta 2006, S. 29 u. S.153

5) Großegger/Heinzlmaier, 2007, S.14 

6) Vgl.Bhabha 2000, S. 134

Vergleich der Begriffe

  • Multikulturalität: Multikulturalität bezieht sich auf die sozialen Strukturen einer Organisation oder Gesellschaft. Im Sinne der Multikulturalität wird davon ausgegangen, dass es nicht zur Verschmelzung der verschiedenen Kulturen kommt, sondern, dass sie nebeneinander bestehen. (www.ikud.de)
  • Interkulturalität: Unter Interkulturalität versteht man das Aufeinandertreffen von zwei oder mehr Kulturen, bei dem es trotz kultureller Unterschiede zur gegenseitigen Beeinflussung kommt. (www.ikud.de)
  • Transkulturalität: Der Begriff der Transkulturalität geht im Gegensatz zur Interkulturalität und Multikulturalität davon aus, dass Kulturen nicht homogene, klar voneinander abgrenzbare Einheiten sind, sondern, besonders infolge der Globalisierung, zunehmend vernetzt und vermischt werden. Die Transkulturalität umschreibt genau diesen Aspekt der Entwicklung von klar abgrenzbaren Einzelkulturen zu einer Globalkultur.

(www.ikud.de)

Kritik an den weitverbreiteten Konzepten der Inter- und Multikulturalität

Welsch Kritik an Interkulturalität:  „Die Misere der Interkulturalität liegt in der Tatsache verborgen, dass sie noch immer von einer insel- bzw. kugelartigen Verfassung der Kulturen ausgeht […] Das Konzept versäumt es, die Wurzel des Problems anzugehen. Es ist nicht radikal genug, sondern bloß kosmetisch.“ (Welsch, Wolfgang (1998): Transkulturalität. Zwischen Globalisierung und Partikularisierung. In: Mainzer Universitätsgespräche. Interkulturalität. Grundprobleme der Kulturbegegnung. Mainzer Universitätsgespräche 1998. Mainz)Kritik am Begriff der Multikulturalität: „Das Multikulturalitätsprinzip […] ist zwar gegenüber konservativen Forderungen nach gesellschaftlicher Homogenität progressiv, in seinem Kulturverständnis aber bleibt es traditionell und droht, regressiven Tendenzen Vorschub zu leisten.“(Welsch, Wolfgang (1998) Welsch Meinung nach sind die beiden Ansätze durch ihr Beharren auf kultureller Identität vor dem „Übergang in den politischen Fundamentalismus nicht gefeit“ (Welsch, Wolfgang (2002).„Für jemanden, der die europäische Geschichte kennt, ist diese historische Transkulturalität ohnehin evident. Die Stile waren länder- und nationenübergreifend, und viele Künstler haben ihre besten Werke fern von der Heimat geschaffen. […] Oder man nehme die japanische Kultur: Es wäre offenbar unmöglich, sie ohne Berücksichtigung ihrer Verflechtung mit chinesischer, koreanischer, indischer, hellenistischer und moderner europäischer Kultur zu rekonstruieren. (Welsch,  Wolfgang (1998), S.55)

Transkulturalität

Der Begriff Transkulturalität geht im Gegensatz zur Interkulturalität und Multikulturalität davon aus, dass Kulturen nicht homogene, klar voneinander abgrenzbare Einheiten sind, sondern, besonders infolge der Globalisierung, zunehmend vernetzt und vermischt werden. Die Transkulturalität umschreibt genau diesen Aspekt der Entwicklung von klar abgrenzbaren Einzelkulturen zu einer Globalkultur.

Mit Transkulturalität beschreibt Wolfgang Welsch (1997) das Konzept einer Gesellschaft, in der sich kulturelle Identitäten durch die Vermischung von Elementen verschiedener Kulturen konstituieren. Kulturelle Grenzen und die Vorstellung homogener Nationalkulturen werden aufgehoben, indem einzelne Kulturen innerhalb einer Gemeinschaft verschmelzen. So lassen sich moderne Gesellschaften als strukturell heterogen und hybrid auffassen.

Dem Konzept liegt eine bestimmte Vorstellung von „Kultur“ zugrunde: Kulturen existieren demnach nicht als voneinander abgrenzbare Einheiten, sondern greifen ineinander und integrieren Fremdes und Eigenes. Sie sind dynamische Gebilde, die sich durch geschichtliche oder interkulturelle Wandlungen in einem stetigen Fluss befinden. Außerdem bildet Kultur sich nicht nur innerhalb einzelner Staaten, sondern formiert sich in verschiedenen kulturellen Kollektiven wie zum Beispiel religiösen, politischen oder sozialen Gruppierungen. Die individuelle Identität setzt sich damit zwangsläufig aus verschiedenen kulturellen Zugehörigkeiten zusammen. (https://www.ikud.de/glossar/)

Es kommt künftig darauf an, die Kulturen jenseits des Gegensatzes von Eigenkultur und Fremdkultur zu denken.

Die Austauschprozesse zwischen den Kulturen lassen nicht nur das alte Freund-Feind-Schema als überholt erscheinen, sondern auch die scheinbar stabilen Kategorien von Eigenheit und Fremdheit. Es gibt nicht nur kein strikt Eigenes, sondern auch kein strikt Fremdes mehr. Im Innenverhältnis einer Kultur – zwischen ihren diversen Lebensformen – existieren heute tendenziell ebenso viele Fremdheiten wie im Außenverhältnis zu anderen Kulturen.

(Welsch, Wolfgang. 1995: Transkulturalität, Beitrag in: Institut für Auslandsbeziehungen (Hrsg.): Migration und Kultureller Wandel, Schwerpunktthema der Zeitschrift für Kulturaustausch, 45. Jg. 1995/1. Stuttgart

 

 

Aktuelle Begriffe im Diskurs (Ernst Wagner)

Deskriptive Begriffe zur Benennung und Beschreibung historischer Epochen und Phänomene (‘neutrale’ Begriffe)

  • Kolonialismus: ist die Inbesitznahme auswärtiger Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder Ermordung der ansässigen Bevölkerung. Kolonialherren und Kolonialisierte stehen einander kulturell fremd gegenüber, erstere im Glauben an ihre kulturelle Überlegenheit über sogenannte „Naturvölker“ (rassische Höherwertigkeit). Die Kolonisierung der Welt durch europäische Nationen in der Neuzeit (Imperialismus) führte zum Eurozentrismus. Quelle: Wikipedia
  • Dekolonisation: Unter Dekolonisation werden die historischen Ablösungsprozesse verstanden, die zum Ende  kolonialer Herrschaft, zu staatlicher Unabhängigkeit von Kolonien  v.a. in der ersten Hälfte des 10 Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre führten.
  • Neokolonial: Bezeichnung für das Verhältnis zwischen den Staaten des Globalen Nordens und des Globalen Südens nach Auflösung der Kolonien im 20. Jahrhundert. Neokolonialismus geht davon aus, dass sich westliche Staaten die Kontrolle über Ressourcen, Politik, Kultur, sowie Finanz- und Warenmärkte weiterhin zu sichern versuchen, um Staaten des globalen Südens abhängig zu halten. Quelle: Wikipedia
  • Global South: Der Begriff Globaler Süden – als Gegenbegriff zu Globaler Norden – unterscheidet v.a. Industrie- und Nicht-Industrieländer. Er löste v.a. die Unterscheidungen von Erster, Zweiter und Dritter Welt, bzw. von Industrie- und Entwicklungsländer ab, da diese diskriminierend sind (‘dritte’) bzw. die Idee einer notwendigen, eindimensionalen, den Westen nachahmende ‘Entwicklung’ vorgeben.

Analytische Begriffe, beruhend auf theoretischen Konzepten, die bereits interessegeleitete Positionen deutlich machen

(Z.B.: Man kann die Machtfrage nicht ausklammern. Damit verbunden ist häufig eine Form von Parteinahme.) 

  • Eurozentrismus: Eurozentrimus äußert sich, indem bewusst oder unbewusst unsere Haltung gegenüber Angehörigen einer anderen Kultur in hohem Maße durch die in unserer eigenen Kultur erlernten Wahrnehmugs-, Wertungs- und Verhaltungsmuster gesteuert wird (Melber, H.). Die Beurteilung Anderer erfolgt unter anderen auf der Grundlage der eigenen kulturell geprägten Normen und Werte und der Annahme ihrer Überlegenheit. Quelle: bpb
  • Postkolonial: Postkolonialismus beschreibt eine geistige Strömung, die sich mit der Geschichte des Kolonialismus und Imperialismus beschäftigt. Zum einen beschreibt es ein Konzept, dem Dekolonialisierung und politische Souveränität der ehemaligen Kolonienzu Grunde liegen, zum anderen dabei ein Bewusstsein für das Fortbestehen imperialistisccher Strukturen in verschiedenen Lebensbereichen schaffen will. Quelle: Wikipedia
  • Postcolonial / decolonial studies: In den postcolonial und decolonial studies werden kulturelle Beziehungen im Kontext von Machtverhältnissen v.a. zwischen dem Westen und ehemaligen Kolonialstaaten analysiert. Grundthese: Kulturelle, psychische und soziale Kolonialisierung dauert auch heute noch an, Kolonialität ist ein strukturelles Phänomen. (Die postcolonial studies sind in den 1990er Jahren in den Literatur- und Kulturwissenschaften im angloamerikanischen Raum enstanden. Die Theoretiker_innen stammen vorwiegend aus den ehemaligen Kolonialstaaten und teilen Diaspora-, Migrations- oder Exilerfahrungen.)  Quelle: Ruhr-Uni Bochum

Strategische Begriffe, die auf normativen Setungen beruhen und eine politische Strategie setzen – in einem Raum, in dem die Machtfrage eine zentrale Rolle spielt.

  • Dekolonialisierung: Wahingt Post über Dekolonialisierung von Institutionen, z.B. Museen: “a process that institutions undergo to expand the perspectives they portray beyond those of the dominant cultural group, particularly white colonizers.” MuseumNext fährt fort: “Museums  [institutions] are taking on this important work to try to make their museums reflect the diversity and the voices of the people within their collections and around them. Many museums [institutions] have legacies rooted in colonialism.” Quelle
    Politische und intellektuelle (kulturelle) Dekolonisation sind eng verwoben, da Macht auch durch kulturelle Praktiken und Wissenschaften ausgeübt wird. Neben der Dekolonialisierung von Instititutionen (z.B. Museen), von Konzepten und Praktiken (z.B. Kunstpädagogik) gibt es auch Ansätze, Städte zu dekolonialisiern: Wie, z.B. haben sich Kolonialismus und Rassismus in ein Stadtbild eingeschrieben? Wie wird mit den Spuren der kolonialen Vergangenheit in einer Stadt umgegangen? An welchen Orten verdichten sich postkoloniale Auseinandersetzungen? Was wird debattiert, was verdrängt und verschwiegen? Wer darf sprechen über die Globalgeschichte der Stadt? Wessen Geschichten werden gehört, wessen Lebensspuren wahrgenommen? Quelle: DECOLONIZE MÜNCHEN
  • Critical Whiteness: Die seit Beginn der 1990er Jahre Wendung in der Forschung zum Rassismus richtet weniger den Blick auf die Objekte desselben (black studies), sondern auf die Strukturen und Subjekte, die Rassismus verursachen und von rassifizierenden Prozessen profitieren. Davon ausgehend hat sich in Europa, auch in Deutschland, der Begriff kritische Weißseinsforschung entwickelt. „Weißsein“ ist eine Kategorie zur kritischen Analyse sozialer und politischer Bezüge. In den USA ursprünglich ein Kampfbegriff, ist „Weißsein“ dort zu einer fruchtbaren wissenschaftlichen Kategorie entwickelt worden. “Weißsein” als Kategorie soll ermöglichen, die Konstruktion des „Weißen“ als bestimmende Norm – im Verhältnis zu dem Abweichenden, Minderen, Anderen – wahrzunehmen. In der Kritischen Weißseinsforschung wird “Weißsein” in Verschränkung mit anderen Strukturkategorien (‘intersectionality’) gesehen – etwa Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Bildung, Religion, Klasse, Mobilität oder Gesundheit. Weißsein wird so im Zusammenhang mit unterschiedlichen Unterdrückungsformen betrachtet. Quelle: Wikipedia